

















(schein)heilig
(schein)heilig, 2018
7 Kirchenbänke, 40 TV-Bildschirme
Mit der Installation (schein)heilig formuliert Bernd Reiter eines seiner zentralen Werke der letzten Jahre. Die monumentale Arbeit entstand vor dem Hintergrund der bekannt gewordenen Missbrauchsskandale innerhalb der katholischen Kirche und setzt sich in eindringlicher Weise mit Macht, Moral und institutionellem Versagen auseinander.
Sieben halbrunde Kirchenbänke aus einer 2006 profanierten Kirche formen einen sakral anmutenden Raum, der zugleich Schutzraum und Anklage ist. Einzelne Bänke ragen vertikal auf und bilden eine kuppelartige Struktur, die ebenso als geöffneter Mund gelesen werden kann – als Sinnbild eines lange unterdrückten Schreis. In diese Architektur sind 40 TV-Bildschirme integriert, die historische und aktuelle Bilder aus der Kirchengeschichte zeigen und jederzeit aktualisiert werden können. Begriffe wie „Missbrauch“, „Vertrauen“ oder „Ethik“ verdichten die inhaltliche Ebene der Arbeit.
Reiter konfrontiert den Betrachter mit einer hochgradig emotionalen, immersiven Situation, die Innehalten, Teilnahme und Stellungnahme einfordert. (schein)heilig ist als offenes Werk angelegt – ein fortlaufender Prozess der Auseinandersetzung mit Schuld, Verantwortung und Aufklärung. Die Installation markiert Bernd Reiters klare Position als gesellschaftskritischer Künstler, der Kunst als Ort der Dringlichkeit, des Widerstands und der öffentlichen Reflexion versteht.